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Neue Technik zur Detektion radioaktiver Altlagerstätten

Mit einer drohnenbasierten Laserscanning-Technik radioaktive Altlagerstätten detektieren (Foto: Peter Krzystek)
Mit einer drohnenbasierten Laserscanning-Technik radioaktive Altlagerstätten detektieren (Foto: Peter Krzystek)

[15|05|2018]

Katastrophenorte und Gefahrenstellen schnell und sicher dokumentieren

 

Seit März 2017 wird an der Fakultät für Geoinformation und der Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Flugzeugtechnik an der Optimierung ferngesteuerter Flugsysteme geforscht. Prof. Peter Krzystek und Prof. Karl Siebold verbessern mit dem Projekt "GeoFlyer" den Energieverbrauch, die Flugzeit und die Sicherheitsbestimmungen von sogenannten "Remotely Piloted Aircraft Systems" (RPAS), also vom Boden aus gesteuerten Luftfahrzeugen wie beispielsweise Drohnen. Die elektrobetriebenen und ferngesteuerten Flugsysteme werden zur Dokumentation von Katastrophenorten und Gefahrenstellen eingesetzt wie beispielsweise in Windbruchgebieten oder in unfallbeschädigten Kernkraftwerken.

 

Mit Laserstrahlen durch die Sperrzone von Tschernobyl

Der zum Großteil brachliegende "Rote Wald" befindet sich direkt im Sperrgebiet des ukrainischen ehemaligen Kernkraftwerkes Tschernobyl. Dort wiesen Prof. Krzystek und sein Forscherteam im vergangenen November radioaktive Gebiete durch Laserstrahlen nach, die von einem ferngesteuerten Flugsystem ausgesendet wurden. Im April 2018 setzte das Projektteam von Prof. Krzystek und Dr. Molitor (Plejades Independent Experts) gemeinsam mit Mitarbeitern des "State Central Enterprise for Radioactive Waste Management" und einem Drohnenteam des Institute for Environmental Geochemistry der ukrainischen Akademie für Wissenschaften (Leitung Prof. Yuri Zabulonov) die Versuche im "Roten Wald" fort.

 

Prof. Krzystek erforscht gemeinsam mit Dr. Molitor den „Roten Wald“ (Foto: Peter Krzystek)
Prof. Krzystek erforscht gemeinsam mit Dr. Molitor den „Roten Wald“ (Foto: Peter Krzystek)

 

Das Forscherteam um Prof. Krzystek erfasste mithilfe einer Drohne nicht nur Laserdaten und optische multispektrale Daten sondern auch die Gammastrahlung mit Hilfe eines speziellen Detektors. Die ausgewählten Sektionen sind besonders interessant, da dort Lagerstätten vermutet werden, in welchen nach der Nuklearkatastrophe im Jahr 1986 radioaktive Biomasse vergraben wurden. Für die geplante Endlagerung des gesamten radioaktiven Abfalls wird eine exakte Kartierung der Altlagerstätten benötigt. Die angewendete Messtechnik eignet sich bestens, um im ausreichenden Abstand die Baumlandschaft und den Boden zu erfassen und mit Methoden des maschinellen Lernens dreidimensional zu rekonstruieren.

 

Messergebnisse

Selbst 30 Jahre nach der großen Reaktorkatastrophe lassen sich im „Roten Wald“ in einigen Bereichen nach wie vor eine lokale radioaktive Strahlung von 30 µSv/h ("Mikrosievert/h") messen. „Wir haben in fünf Tagen innerhalb einer 10-Kilometer-Zone nur eine Dosis von 32 µSv aufgenommen. Zum Vergleich: Während eines Flugs von München nach San Francisco setzt sich der Mensch einer Gesamtdosis von 100 µSv aus. Wir befanden uns also noch im grünen Bereich“, erklärt Prof. Krzystek.

 

Beeindruckend: Das Tschernobyl-Denkmal (Foto: Peter Krzystek)
Beeindruckend: Das Tschernobyl-Denkmal (Foto: Peter Krzystek)

 

Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe

Auf der anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe stattfindenden INUDECO Konferenz in Slavutych hatte das Team, bestehend aus Prof. Krzystek, Prof. Siebold, Doktorand Sebastian Briechle und Julian Stolp, Student des Studiengangs Geoinformatik und Navigation, noch Gelegenheit über die aktuellen Forschungsarbeiten zu berichten. Prof. Krzystek beeindruckte besonders die Trauerfeier für die Reaktor-MitarbeiterInnen, die aufgrund der Aufräumarbeiten ums Leben kamen: "Sie haben mit ihrem Handeln eine noch größere Katastrophe verhindert. Eine Katastrophe, die die Welt veränderte"

 

 

Prof. Dr. Peter Krzystek / Valerie Stärk

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